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DAS INVESTMENTAktienfonds Small & Mid Cap3 MIN LESEDAUER13.02.2018

Stehauf-Kontinent: Mittelständische Unternehmen waren Europas Überflieger

Wer hätte das gedacht: Ausgerechnet das Wachstum in Europa liefert einen großen Beitrag, die weltweite Produktion zu steigern. Das attestiert der Internationale Währungsfonds (IWF) dem alten Kontinent. Dessen Aufschwung stehe inzwischen auf einem soliden Fundament: "Die Erholung sieht immer langlebiger, breiter und auch stärker aus", so Jörg Decressin, stellvertretender IWF-Direktor für Europa.

Seine Prognosen hat der IWF bereits deutlich angehoben. Nach einem europäischen Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent im Vorjahr rechnet die Institution 2018 nun mit einem Plus von 2,1 Prozent. Länder wie Russland und die Türkei, die nicht zum Binnenmarkt der Europäischen Union gehören, hat der IWF eingerechnet.

Für die Mitglieder der Euro-Währungsgemeinschaft geben sich die IWF-Experten nur wenig zurückhaltender, um 1,9 Prozent soll die Produktion von Gütern und Dienstleistungen 2018 aber auch dort zulegen. "Die Wirtschaft in der Eurozone befindet sich in guter Verfassung", bestätigt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt. Gemessen an den Einkaufsmanagerindizes seien vor allem Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien auf dem aufsteigenden Ast. Das gesunde und synchrone Wachstum werde die Unternehmensgewinne und damit die Aktienkurse in den kommenden Monaten weiter anschieben.

Krisen mit Haussen beantwortet

Und dabei haben Anleger auch mit Blick in den Rückspiegel aktuell wenig Anlass zur Klage. Seit dem Höhepunkt des griechischen Staatsschulden-Dramas 2011, als an einem Schuldenschnitt und dreistelligen Milliarden-Hilfen kein Weg mehr vorbeiführte, hat sich etwa der Aktienindex MSCI Europe von seinen Tiefständen aus nahezu verdoppelt.

Seit der Jahrtausendwende haben die europäischen Aktienmärkte alle drei großen Krisen, die sie erschüttert haben, mit mehrjährigen Haussen beantwortet. Der Absturz hochgejazzter Internet- und Medien-Unternehmen (2000), die Ausfälle fauler US-Hypotheken (2007) und die ausufernden europäischen Staatsschulden hatten jeweils zu herben Verlusten geführt.

Dennoch konnten Anleger mit in Europa investierenden Aktienfonds ein dickes Plus einstreichen. Auf Sicht von 20 Jahren steigerten Fonds, die auf Aktien europäischer Konzerne setzen, ihren Wert nach Angaben des Research-Hauses Morningstar um 149 Prozent. Das entspricht einer jährlichen Rendite von 4,7 Prozent. Mit Anlagestrategien, die besonders wachstumsstarke Gesellschaften herauspicken, waren sogar 5,7 Prozent drin. Trotz tiefer Börsenabstürze ließen Aktienfonds damit langfristig Anleihefonds klar hinter sich, die auf 3,6 Prozent Rendite kommen. Selbst mit Ramschpapieren, sogenannten High Yields, konnten Fixed-Income-Fondsmanager nur 4,3 Prozent jährlich realisieren.

Als wahre Überflieger entpuppten sich indes Portfolios mit kleinen (Small Caps) und mittelgroßen (Mid Caps) Aktiengesellschaften. In den zurückliegenden 20 Jahren konnten Fonds dieses Typs ihren Wert mehr als verfünffachen. Mid-Cap-Strategien erzielten im Schnitt 408 Prozent Plus. Noch lukrativer zeigten sich Small-Cap-Fonds mit einem Gewinn von 434 Prozent.

Ganz vorn in dieser Gruppe rangiert der SLI European Smaller Companies der schottischen Fondsgesellschaft Aberdeen Standard Investments. Andrew Paisley steuert das 661 Millionen Euro schwere Portfolio und bestückt es mit Nebenwerten aus ganz Europa. Gut 30 Prozent davon stammen aus Großbritannien. Das größte Vertrauen allerdings bringt der Fondsmanager deutschen Unternehmen entgegen, die er mit aktuell etwa 23 Prozent Portfolioanteil am stärksten übergewichtet.

In zehn Jahren Kapital verdreifacht

Paisley betont, das Fondsvermögen auf Basis der Unternehmenszahlen zu verteilen, also strikt einem Bottom-up-Ansatz zu folgen: "Der deutsche Mittelstand bietet eben lukrative Aktien. Wir schauen nicht top-down nach Ländern oder Sektoren." Auf diese Weise ist etwa Jungheinrich auf Rang 3 im Portfolio gelandet. Der deutsche Hersteller von Gabelstaplern profitiere von einer starken Nachfrage und dem Trend zu automatisierten Lagern, so Paisley: "Der Markt preist dieses Wachstum bislang bei Weitem noch nicht ein. Wir erwarten, dass Jungheinrich sein Umsatzziel für 2020 schon 2019 erreichen wird."

Deswegen hat der Investmentprofi auch unlängst noch zusätzliches Fondsvermögen in den deutschen Vorzeige-Mittelständler investiert. Die Anlagestrategie zahlt sich aus. Wer seit zehn Jahren ununterbrochen investiert war, konnte sein Kapital nahezu verdreifachen (siehe Tabelle). Das entspricht einer jährlichen Rendite von 11,5 Prozent. Der durchschnittliche Börsenwert von Paisleys Investments liegt knapp unter 2 Milliarden Euro.

Das kann Philip Best noch locker unterbieten, der für die französische Quaero Capital den Quaero Capital Argonaut managt. Seine Aktiengesellschaften kommen im Schnitt lediglich auf einen Börsenwert von 230 Millionen Euro. In Sachen Performance steht er seinen Wettbewerbern kaum nach, um 180 Prozent legte der Wert auf Sicht eines Jahrzehnts zu. "Wir suchen Aktien von kaum beachteten kleinen Gesellschaften. Mainstream-Investoren ignorieren diese Titel", so der Fondsmanager.

Besonders niedrig fällt mit 9,7 Prozent die Volatilität aus, was auch der oftmals geringen Handelsfrequenz von Mikro-Aktien geschuldet ist. Als stärksten Renditelieferanten nennt Best die französische Big Ben Interactive, die Zubehör für Spielkonsolen herstellt und ihren Absatz zuletzt erhöhen konnte. Haken der Zwergfirmen: Derzeit ist der Fonds für neue Anlagen geschlossen, obwohl das Vermögen erst 305 Millionen Euro beträgt.

"Größte Unsicherheit – der Brexit"

Europa als wichtiger Motor der weltweiten Konjunktur und gefragte Anlageregion hätten wohl noch vor wenigen Jahren viele Experten als romantische Träumerei abgetan. Trotz aller Erfolgsgeschichten zeigt sich Europas Perspektive aber keineswegs makellos. Neben dem Aufbegehren osteuropäischer Volkswirtschaften bereiten vor allem die Briten Kummer. "Die größte Unsicherheit bleibt der Brexit", heißt es vom IWF, weil nach wie vor nicht klar sei, wie der Handel mit Großbritannien nach dem geplanten EU-Austritt aussehen werde. "Unter solchen Umständen ist unsere Sorge, dass das Wirtschaftswachstum darunter leiden wird. Das gilt besonders für Großbritannien, aber auch für den Euro-Raum", sagt IWF-Direktor Decressin. Auch die Börsenkurse kämen damit unter Druck.

Zumindest in der Vergangenheit mussten Anleger, die langfristig auf starke europäische Mittelständler gesetzt haben, sich keine größeren Sorgen wegen kurzfristiger Kapriolen auf den Aktienmärkten machen.

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