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DAS INVESTMENT4 MIN LESEDAUER13.02.2018

Interview mit Ignacio De La Maza: „Auch festverzinsliche Anlagen sollten flexibel sein“

DAS INVESTMENT: Herr De La Maza, inwiefern haben sich die Bedürfnisse von Anleiheinvestoren in den vergangenen Jahren geändert?

Ignacio De La Maza: Als ich vor 13 Jahren in das Investmentmanagement wechselte, investierten Anleger in ganz bestimmten Bereichen. Stand Sicherheit für ihr Kapital an erster Stelle, kauften sie Staatsanleihen mit kurzen Laufzeiten. Für höhere Renditen griffen sie zu Hochzinsanleihen.

Heute ist das anders. Zwar haben auf bestimmte Bereiche oder Themen fokussierte Fonds immer noch ihre Berechtigung. Daneben gibt es jedoch  eine steigende Nachfrage nach ergebnisorientierten Fonds.

Können Sie das genauer beschreiben?

De La Maza: Anleger suchen immer häufiger nach Anlageinstrumenten, die kaum schwanken oder eine positive Gesamtrendite bieten. Engagements in bestimmten Anlagebereichen sind dagegen heute weniger gefragt. Gleichzeitig gibt es einen allgemeinen Trend zu passiven und insbesondere zu passiven festverzinslichen Anlagen. Das bereitet mir Sorgen.

Das Investment: Inwiefern Sorgen?

De La Maza: Viele dieser Produkte orientieren sich eng an einem Rentenindex. Bei Aktienindizes spielen die Marktkapitalisierung der Unternehmen und die Erwartungen der Anleger zum Unternehmensgewinnwachstum eine zentrale Rolle. Bei den meisten Anleiheindizes ist das Emissionsvolumen der Anleihen ein zentrales Kriterium für deren Aufnahme in den Index, sodass die am höchsten verschuldeten Unternehmen oder Staaten im Index am stärksten gewichtet sind. Das ist gefährlich. Anleger sollten sich fragen, ob es wirklich sinnvoll ist, solche für Refinanzierungen besonders anfällige Schuldner im Portfolio zu haben, wenn deren Wirtschaftszyklus schon weit fortgeschritten ist.

Das leuchtet ein, aber eine ordentliche Rendite gibt es schon seit Jahren nur für riskante Anleihen.

De La Maza: Ich sehe auch die Bewertungen kritisch. Wir leben in einer verkehrten Welt, wenn Anleger bereit sind, bei Anleihen negative Renditen zu akzeptieren. Sicher gibt es dafür technische Gründe wie etwa in der Schweiz, wo die Zentralbank eine Negativzinspolitik verfolgt, oder bei deutschen Bundesanleihen, die vor politischen Unwägbarkeiten in Europa schützen können. Aber man muss in punkto Wirtschaft schon wirklich schwarz sehen, um solche Anlagen langfristig für sinnvoll zu halten.”

Wird es nicht bald eine Trendwende geben? Die Fed schwenkt allmählich um zu einer restriktiveren Geldpolitik.

De La Maza: Die unkonventionelle Geldpolitik ist mit verantwortlich für hohe Anleihekurse und höhere Korrelationen zwischen den Anlageklassen. Wenn Zentralbanken Billionen US-Dollar in den Markt pumpen, dann treibt diese zusätzliche Nachfrage natürlich die Kurse nach oben. Doch der Fed-Rückzug aus der quantitativen Lockerung ist nicht unbedingt das Fanal für eine Trendwende an den Anleihemärkten. So einfach ist das meines Erachtens nicht.

Können Sie uns das bitte näher erläutern?

De La Maza: Das mache ich am besten anhand eines lebensnahen Beispiels. Ich bin dreifacher Vater. Nichts verändert das Leben so sehr wie ein Kind. Es ist eine neue Variable in deinem Leben, an die du dein gesamtes Verhalten anpassen musst. Zudem ist diese neue Variable kein kurzes Intermezzo, sondern von Dauer. Wenn man so will, ist auch die unkonventionelle Politik der Zentralbanken eine neue Variable, die unser Leben länger begleiten könnte, als viele erwarten.

Das bedeutet, dass die lockere Geldpolitik doch nicht bald endet?

De La Maza: Die ursprüngliche Intention der Notenbanken war, die quantitativen Lockerungen als Notfallmaßnahme zu nutzen. Inzwischen sind jedoch seit der Finanzkrise zehn Jahre vergangen und die US-Notenbank beginnt erst jetzt, ihre Vermögenskäufe zu drosseln. Die Europäische Zentralbank und die Bank von Japan (BoJ) sind sogar immer noch im Lockerungsmodus. Und was viele vergessen: Die BoJ betreibt ihre quantitativen Lockerungen mit Unterbrechung schon seit 2001. Im Moment sieht es nicht so aus, als würde sich alles demnächst ändern.

Sie klingen nicht begeistert. Was befürchten Sie?

De La Maza: Meine Kollegen bei Janus Henderson Investors sehen viele Parallelen zwischen dem Westen und Japan. Niemand kann sicher sein, ob wir nicht doch den gleichen Weg wie Japan einschlagen und in einem Szenario mit deflationär niedrigem Wachstum gefangen sind. Oder ob die USA und Europa einen neuen Kurs steuern, der zu stärkerem Wachstum und höherer Inflation führen könnte. Gleichgültig, welches der beiden Szenarien eintritt – es wird erhebliche Auswirkungen auf Zinsen, Verschuldungsquoten und die Rahmenbedingungen für Unternehmen haben und damit auch auf die angemessenen Niveaus für Anleiherenditen und Kredit-Spreads.

Was ist Ihre Lösung für dieses Dilemma?

De La Maza: Da zwei so gegensätzliche Entwicklungen möglich sind, kann ich flexiblen festverzinslichen Anlagen viel abgewinnen. Das bedeutet Fonds, die an keine Benchmark gebunden sind und strategisch frei investieren können. Sie sind mit hoher Wahrscheinlichkeit besser auf die Unwägbarkeiten der Märkte vorbereitet. Bei Veränderung der Marktbedingungen können sie ihre Zinsempfindlichkeit erhöhen oder verringern, in andere festverzinsliche Anlageklassen oder andere Regionen umschichten. Für sie wird Volatilität weniger zur Bedrohung, sondern mehr zur Chance, die sie nutzen können.

Sie mussten selbst schon eine hohe Anpassungsfähigkeit in ihrem Leben beweisen. Wie hat sie das geprägt?

De La Maza: Ich war ein ehrgeiziger Sportler. Meine sportliche Karriere habe ich auf dem Basketballfeld begonnen, bis eine Knöchelverletzung mich gezwungen hat, umzuswitchen. Daher habe ich zunächst gerudert und bin schließlich beim Rugby gelandet, wo ich auch in der spanischen Nationalmannschaft gespielt habe. Von allen Sportarten, die ich in meinem Leben gespielt habe, hat Rugby mir wohl die meisten Werte vermittelt wie Teamarbeit, Verantwortungsbewusstsein und Integrität.

Inwiefern begleiten Sie diese sportlichen Werte auch in der Vermögensverwaltung?

De La Maza: Nach meiner Sportlerkarriere wollte ich meine Ausbildung im Finanzbereich ausbauen und in die Vermögensverwaltung wechseln. Ich liebe Sport auch weiterhin und bin überzeugt, dass die Fähigkeit, schnell und entschlossen zu reagieren und bei sich ändernden Bedingungen eine neue Strategie zu entwickeln, auch in der Vermögensverwaltung von großem Wert ist. Wie beim Rugby will man auch in der Vermögensanlage vermeiden, eingekeilt zu werden und sich nicht mehr bewegen zu können. Ich denke, das Jahr 2018 könnte Anleger in dieser Hinsicht auf die Probe stellen. Ein flexibler Ansatz bei festverzinslichen Anlagen dürfte deshalb von großem Vorteil sein.

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